Geschichtlicher Abriss: Eisenbahn in Basel

1. Erste Bemühungen

Bereits 1836 hegte die Züricher Handelskammer Pläne, eine Eisenbahnlinie den Flüssen Limmat, Aare und Rhein folgend zwischen Zürich und Basel zu Bauen. Die beiden Halbkantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft legten sich quer, zudem fehlte es an den notwendigen Geldern.

Immerhin wurde 1837 ein Kommitee "zur Anlegung einer Eisenbahn von Basel nach Zürich" aufgestellt und ein Jahr später die "Basel-Zürich Eisenbahn-Aktiengesellschaft" gegründet, welche jedoch 1841 unverrichteter Dinge aufgelöst werden musste.

2. Chemin de fer de Strasbourg à Bâle

Die ersten Eisenbahnschienen in der Schweiz wurden im Jahr 1844 zwischen der Grenze zu St. Louis bis vor die Tore der Stadt Basel gelegt. Bauherrin war die Chemin de fer de Strasbourg à Bâle, welche später in der Französischen Ostbahn (FOB) aufging. Die erste Eisenbahn auf Schweizer Boden war zugleich die erste internationale Eisenbahnstrecke der Welt! 1845 wurde der Bahnhof an der Lottergasse (heute Spitalgasse) eingeweiht.

3. Erste Schweizer Eisenbahn in Zürich

Um 1847 wird die erste Eisenbahnstrecke einer Schweizer Eisenbahngesellschaft, der "Schweizerischen Nordbahn" (SNB, später: Nordostbahn, NOB), zwischen Zürich und Baden eröffnet. Die Eisenbahn ist besser bekannt unter dem Namen "Spanisch-Brötli-Bahn".

4. Schweizerische Centralbahn

In Basel wird die Schweizerische Centralbahn-Gesellschaft gegründet. Ziel ist es - wie der Name schon indiziert - den Weg von Basel über Luzern und den Gotthard (also die Zentralschweiz) nach Süden zu suchen. Die Schweizerische Centralbahn wird über den Knotenpunkt Olten die Städte Aarau, Bern, Thun und Luzern erschliessen. In Luzern besteht ab 1882 Anschluss an die Gotthardbahn (GB).

4.1 Gründung

Die Schweizerische Centralbahn Gesellschaft (SCB) wurde im Jahr 1853 in Basel von Johann Jakob Speiser, Karl Geigy und Achilles Bischoff gegründet.

4.2 Streckennetz - Entwicklung

Auf der untenstehenden Karte ist das Streckennetz der SCB im Wesentlichen ersichtlich (fett). Anschluss an das Streckennetz der Französischen Ostbahn (FOB) fand die SCB 1860 in einem Gemeinschaftsbahnhof (Centralbahnhof Basel). 1873 wurde über den Rhein die Verbindung zum Badischen Bahnhof in Basel ("Hauptbahnhof Basel"!) der Grossherzoglichen Badischen Staatsbahn (BadStB) geschaffen (sog. Verbindungsbahn). In Aarau wurde ab 1858 das Streckennetz der Schweizerischen Nordostbahn (NOB) in Richtung Zürich erschlossen.

Später kamen weitere Verbindungen zu anderen Bahngesellschaften hinzu: In Luzern ist die wichtige Verbindung an die Gotthardbahn (GB) zu erwähnen. In Biel kam um 1860 mit der Schweizerischen Ostwestbahn (OWB) die Verbindung zur Compagnie Franco-Suisse (FS) in Frienisberg (Le Landeron) hinzu, welche bis nach Genf führte. Für die Weiterreise nach Lausanne erstellte die SCB 1860 die Strecke Bern-Thörishaus und somit den Anschluss zur Chemin de fer Lausanne-Fribourg-Berne (LFB).

Streckennetz SCB, sowie Bahnanschlüsse
Streckennetz SCB, sowie Bahnanschlüsse

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Eröffnung der einzelnen Streckenabschnitte auf:

1854 Basel - Liestal
1855 Liestal - Sissach
1856 Aarau - Olten - Luzern
1857

Sissach - Läufelfingen

Olten - Wylerfeld (Bern)

Olten - Biel

1858

Läufelfingen - Olten

Wylerfeld (Bern) - Bern

1859

Wylerfeld (Bern) - Thun 

1860

Bern - Thörishaus

 

4.3 Bahnhofsstandort in Basel

Als der erste Streckenabschnitt der SCB (Basel - Liestal) in Betrieb genommen wurde, war die Frage des Bahnhofsstandorts noch nicht geklärt. An der Langengasse wurde deshalb 1854 ein provisorischer Bahnhof in Betrieb genommen. Leider bestehen von diesem Bahnhof keine Ansichten, der Grundriss des Geländes ist jedoch bekannt:

Provisorischer Bahnhof 1854: Aufnahmegebäude (1); Güterschuppen (2); Lokremise (3); Wagenremise (4); Drehscheibe (A); Untersuchungsgrube (B); Schiebebühne (C)
Provisorischer Bahnhof 1854: Aufnahmegebäude (1); Güterschuppen (2); Lokremise (3); Wagenremise (4); Drehscheibe (A); Untersuchungsgrube (B); Schiebebühne (C)

  

Für den endgültigen Standort kamen verschiedene Areale in Frage: vor dem St. Alban-Tor, vor dem Aeschentor, am Fusse des Bruderholzes und vor dem Elisabethenbollwerk. Schliesslich entschied man sich für die Fläche vor dem Elisabethenbollwerk, wo sich auch heute noch der Bahnhof SBB befindet. Die Eisenbahnstrecke aus dem Elsass der Französischen Ostbahn wurde mit derjenigen der SCB an dieser Stelle in einem sog. doppelten Kopfbahnhof zusammengeführt. Die Architektur der Bahnhofsanlagen trägt diesem Umstand Rechnung, indem die bahntechnischen Anlagen jeweils doppelt ausgeführt wurden.

4.4 Ausgewählte Persönlichkeiten

Johann Jakob Speiser (1813 - 1856) war zusammen mit Karl Geigy und Achilles Bischoff einer der Gründer der Schweizerischen Centralbahn und präsidierte die Gesellschaft von 1853 (Gründung) bis 1856. Eine Lokomotive des Typs Engerth Eb 2/5 wurde nach ihm benannt.

 

Eintrag im hls, Eintrag in wikipedia

Carl von Etzel (1812 - 1865) ist bekannt als Erbauer der Brennerbahn (Österreich/Italien). Ferner stammten viele der ersten Bahnbauten in Deutschland von ihm, so auch der erste Stuttgarter Bahnhof. Für die SCB baute er an der Hauensteinlinie. Sein Name ist an der Bahnlinie zwischen Rümlingen und Buckten eingemeisselt.

 

Eintrag im hls, Eintrag in wikipedia

Ludwig Maring (1820 - 1893) war der Hausarchitekt der Schweizerischen Centralbahn. Er zeichnet sich neben dem Centralbahnhof Basel für weitere grosse Bahnhöfe der SCB verantwortlich (so. z.B. Bern 1860, Luzern 1857, Thun), stellte aber auch die Normalpläne für die kleinen und mittleren Stationen der SCB her.

4.5 Auflösung, Gründung der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB)

Das "Bundesgesetz betreffend die Erwerbung und den Betrieb von Eisenbahnen für Rechnung des Bundes und die Organisation der Verwaltung der schweizerischen Bundesbahnen" (ì) wurde 1898 vom Stimmvolk in einer Refendumsabstimmung angenommen. Damit war das Ende der grossen privaten Bahngesellschaften besiegelt, welche 1902 in den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) aufgingen. Neben der SCB betraf dies insbesondere die Schweizerische Nordostbahn (NOB), die Vereinigten Schweizerbahnen (VSB) und die Jura-Simplon-Bahn (JS). Später gingen die Gotthardbahn (1909), die Jura-Neuchâtelois (1913), die Tösstalbahn (1918), die Seetalbahn (1922) und die Uerikon-Bauma-Bahn (1948) ebenfalls in der SBB auf.

5. Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen

Die badische Hauptbahn (von Mannheim bis Konstanz) erreichte Basel im Jahr 1855. In Basel wurde das definitive Bahnhofsgebäude ("Hauptbahnhof Basel"!) am Riehenring erst 1862 fertiggestellt. Eine Verbindung zum Schweizerischen Streckennetz gelang 1859 in Waldshut mit der NOB. Die Eisenbahnbrücke aus dem gleichen Jahr existiert noch und wird immer noch befahren (ì). Zum Streckennetz der SCB gelang die Anbindung in Basel erst mit der Eröffnung der Verbindungsbahn im Jahr 1873 (ì). Die Strecke führt vom Badischen Bahnhof über den Rhein zum Centralbahnhof Basel (bzw. heute zum Bahnhof Basel SBB). Bis heute steht die Brücke auf den ursprünglichen Brückenpfeilern, wobei der Brückenkörper 1962 beim Ausbau auf Doppelspur ersetzt wurde. 1913 wurde der Badische Bahnhof an der Schwarzwaldallee neu erbaut. Die Großherzoglich Badische Staatseisenbahnen (BadStB) wurden 1920 in die Deutsche Reichsbahn (DRG) integriert.

Aktuelles

Berichte

2017: In der Juni-Ausgabe von "LOKI - Das führende Magazin für den Modellbahnfreund" wird über das Modell des Centralbahnhofs berichtet.

Ausstellungen

Zur gegebenen Zeit, wird über die Besichtigungsmöglichkeiten des Bahnhofsmodells "Centralbahnhof Basel 1860) informiert.